Wildes Grün für den Darm

Zu dieser Jahreszeit fängt es bei mir immer an: die Lust aufs wilde Grün. Es ist eine Kombination aus innerer Vorfreude auf die bevorstehende grüne Explosion, die sich in wenigen Wochen aus dem Boden ergießen wird, und dem Kribbeln in den Fingern, endlich wieder das Grün in der Natur zu pflücken und zu essen.

Neben der heilsamen entschlackenden und entgiftenden Wirkung, die unsere Frühlingskräuter, wie Brennnessel, Löwenzahn, Spitzwegerich, Bärlauch, Giersch und Gundelrebe mit sich bringen, ist neuerdings ein weiterer wichtiger Aspekt ins Zentrum meines Interesses gerückt, denn ich beschäftige mich seit Längerem mit dem Darmmikrobiom. Dieses Thema ist erst in den letzten 10-15 Jahren in den Fokus der Wissenschaft gerückt und erlebt zurzeit einen Boom. Nicht zu unrecht, denn es wird immer deutlicher, welche Auswirkungen diese kleinen Bakterien in unserem Darm (Darmmikrobiom) haben. Ein wesentliches Ergebnis der Forschung ist, dass eine große Vielfalt an Darmbakterien für ein starkes Immunsystem und allgemein mehr Gesundheit steht.

An dieser Stelle erinnere ich gerne an den viel zitierten Satz aus dem Ayurveda: „Du bist, was Du verdaust.“ Die Bedeutung der Verdauung war den alten indischen Heilmeistern also schon lange bekannt. Auch wenn sie von den Bakterien damals noch nichts wussten, behandelten sie bei praktisch jeder Erkrankung zuerst den Darm – am liebsten mit verdauungsunterstützenden Gewürzen.

In unserem Kulturkreis ist es heute leider so, dass unsere Vielfalt an Darmbakterien unter unserem Lebensstil gelitten hat und stark zurückgegangen ist. Hauptgründe dafür sind unsere nicht mehr sehr natürliche Ernährungsweise, Giftstoffe, aber auch der Einsatz von Antibiotika und anderen Medikamenten. Die zunehmenden Darmerkrankungen wie Reizdarm und Colitis ulcerosa sind eine Folge davon.

Nun gibt es aber eine gute Nachricht: Wir können unsere Darmbakterienstämme wieder vermehren – indem wir mehr Natürliches in unser Leben einbauen und zum Beispiel Wildpflanzen essen. Unsere Wildpflanzen stecken voller sekundärer Pflanzenstoffe, Vitamine, Chlorophyll, Ballast- und Mineralstoffe. An dicht gepackten Nährstoffen übertreffen unsere essbaren Frühlingsboten sämtliche erhältlichen Gemüse. Darum brauchen wir nicht sehr viele Wildkräuter, dafür aber regelmäßig. Dann ziehen auch wieder mehr Bakterienstämme, die das wilde Grün lieben, dauerhaft in unserem Darm ein.

Roh, im Salat oder gekocht im Gemüse, eingearbeitet in einem Risotto oder zu einem Pesto verarbeitet, schmecken die Wildpflanzen auch überraschend gut und endlich mal anders. Und ganz ehrlich, man muss kein Kräuterexperte sein, um sich Löwenzahn- und Brennnesselblätter aus dem Garten oder von der Wiese zu pflücken.

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Geleitet wird es von mir, Dr. Andrea Küthe Albrecht, Biologin, Ayurveda Ernährungstherapeutin und Gründerin der FREYA Heil & Pflanzenschule (www.freya-heilpflanzenschule.ch).

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