Archiv für Januar, 2022

Sattvische Ernährung

Sattvische Ernährung – reine Nahrung für den Geist

Unter der sattvischen Ernährung verstehen wir in der ayurvedischen Diätetik eine sehr reine und naturbelassene Ernährungsform, deren Ziel die Steigerung der geistigen Verfassung im Menschen ist. Die Ernährungskriterien werden nach den drei Gunas Tamas, Rajas und Sattva ausgerichtet und sollen bei der Überwindung von Tamas und Rajas und der Steigerung von Sattva unterstützend wirken. Damit entsprechen sie allen Prinzipien, mit der die Klarheit des Geistes, die Reinheit der Gefühle und die Kraft des Körpers gestärkt werden können.

Vegetarisch oder doch mit Fleisch? Dies ist die Gretchen-Frage in der ayurvedischen Ernährung, wenn es um das sattvische Bewusstsein geht. Denn das Ziel der sattvischen Ayurveda-Ernährung ist es, unsere spirituelle Entwicklung zu fördern und dafür ist eine naturbelassene Bio-Ernährung, die auf alle fleischlichen Eiweiße verzichtet, ein absolutes muss. Durch ahimsa, das geistige Prinzip der Gewaltlosigkeit, gewinnen wir an spiritueller Kraft, feinstofflicher Energie und geistiger Vitalität.

So werden in der sattvischen Ernährung alle tierischen Produkte wie Fleisch, Fisch und Eier strikt gemieden. Die einzige Quelle tierischen Eiweißes stellt die frische Bio-Milch sowie Butter, Ghee und etwas Joghurt dar. Auch anregende Reizstoffe wie Kaffee, schwarzer Tee, Knoblauch und Zwiebeln sind verboten, da sie einen schlechten Einfluss auf die Reinheit des Geistes ausüben. Ein weiterer wichtiger Aspekt der sattvischen Ernährung ist das Gebet: Jede Mahlzeit wird mit großer Dankbarkeit für Gottes Gaben in Bewusstheit zubereitet und in Ruhe eingenommen. Wir kochen mit viel Liebe und legen unsere ganze Zärtlichkeit in die Verarbeitung von lebendiger Nahrung – liebevoll schneiden wir unser Gemüse, atmen ihren Duft beim Kochen, hören es sanft köcheln und sehen die fertigen Speisen in ihrer heilenden Kraft vor unserem inneren Auge entstehen. Durch das Singen von spirituellen Versen (Mantras) können wir die heilende Kraft beim Kochen noch verstärken.

Nach diesen sattvischen Grundregeln richten traditionell alle Yogis und andere spirituell Suchenden ihre Ernährung aus und praktizieren diese in Klöstern und Tempeln.

Doch auch wenn wir kein strenges Yoga-Leben führen, kann die sattvische Ernährung eine wertvolle Therapie für uns darstellen. Die reine Ernährung befreit uns von psychischen Schlacken und bringt unterdrückte Gefühle an die Oberfläche. Gerade depressive oder traumatisierte Menschen sind oft mit “geistigem Ama” belastet und können mit der sattvischen Ernährung wieder in Kontakt mit sich Selbst kommen und sich von ihren Ängsten, Aggressionen und negativen Emotionen befreien.

Mit der richtigen Ernährung erfahren neue Lebendigkeit und Klarheit, die uns die Kraft geben kann, alte Persönlichkeitsmuster abzulegen und ein neues Selbstbild in das Leben zu integrieren. Dafür sollte etwa die Hälfte unserer Nahrung aus möglichst unbehandeltem Gemüse und Früchte bestehen, dazu kommen vollwertige Getreideprodukte und Nüsse. Die einfachen und mild gewürzten Speisen gleichen das körperliche und geistige Feuer aus und fördern inneren Frieden und Reinheit.  Der Grundgeschmack der sattvischen Diät setzt sich aus süßen und bitteren Nahrungsmitteln zusammen, wie z.B. süße Früchte, Nüsse oder Blattgemüse. Diese öffnen unseren Geist, befreien uns von negativen Emotionen und fördern den Heilungsprozess bei psychischen Erkrankungen.

Eine der wichtigsten sattvischen Ernährungsregeln lautet, am Abend eine gesunde, frisch gekochte Mahlzeit zu genießen. Das bedeutet in der Alltagpraxis für den normalen Mitteleuropäer, Abschied nehmen vom kalten Abendbrot und stattdessen eine warme Suppe oder ein leichtes Gericht mit Gemüse und Getreide einzunehmen.

Doch was so leicht (und lecker) klingt, kann für viele eine ungeahnte Herausforderung sein.  Häufig sind meine Klienten alles andere als begeistert, wenn ich ihnen vorschlage, sich ein warmes Abendessen zu kochen: „Was, ich soll mich nach einem langen Arbeitstag nochmals an den Herd stellen? Dazu bin ich viel zu müde…“ kommt als abwehrendes Argument. Oder: „Wenn ich abends nach Hause komme, bin ich so hungrig, dass ich alles in mich reinstopfe was im Kühlschrank ist. Danach lege ich mich auf Sofa und schlafe vor dem Fernseher ein.“ Gerade alleinstehende Berufstätige tun sich schwer mit einer hochwertigen Selbstversorgung und vielen fehlt es an Zeit und Energie, um eine positive Beziehung zu Herd und Küchenschürze aufzubauen.

In dieser Art leiden viele Menschen energetisch an einem Rajas-Überschuss, der sich in körperlicher und mentaler Überlastung, Stress und emotionaler Unausgeglichenheit manifestiert. Am Abend möchte der Organismus zur Ruhe kommen und wenn wir bereits ausgepowert sind, so ist die Verführung groß, bei einer Flasche Rotwein und einer Tafel Schokolade ins Tamas zu versinken, anstatt sich mit einer frischen Gemüsesuppe in einen Sattva-Zustand zu versetzen. So warten die gefährlichsten Ernährungsfallen erfahrungsgemäß in den Abendstunden auf uns, wenn wir müde und erschöpft sind und dem niedrigen Energiehaushalt nachgeben. Denn im tamasischen Energiefeld sind wir besonders anfällig für tamasische Speisen wie fast-food oder Süßigkeiten. Gelingt es uns hingegen, für den Abend noch genügend Lebensenergie aufzubewahren, so können wir diese für viele schöne und regenerative Dinge nutzen, die unsere spirituelle Kraft und Lebensqualität steigern.

Nach meiner Erfahrung ist die beste Methode, um ein Energieleck zu vermeiden, bereits am Nachmittag mit einem warmen Tee, entspannendem Spaziergang in der Natur oder einem Yogakurs das positive Energieniveau zu verstärken.  Mit dem ausgleichenden Aufbauprogramm tanken wir unsere Sattva-Batterien wieder auf und gewinnen die Kraft für alle Aufgaben – einschließlich des Kochens – am Abend.  Damit schließt sich der Sattva-Kreislauf für ein harmonisches, gesundes und spirituelles Leben im Sinne des Ayurveda.

Traditionelle Regeln der sattvischen Ernährung

Zu meiden
1. Vermeide Genusssucht und Gier beim Essen und achte auf die Reinheit Deiner Nahrung und Gesinnung
2. Vermeide schlechte Gesellschaft und eine negative Atmosphäre beim Essen
3. Vermeide alle scharfen Gewürze und anregenden Speisen (Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, Pfeffer, Muskat)
4. Vermeide altes, aufgewärmtes und chemisch behandeltes Essen
5. Vermeide tote Nahrung und vermeide Fleisch, Fisch, Wurst und Eier
6. Vermeide alle Reiz- und Suchtmittel wie Kaffee, Alkohol, Nikotin und schwarzer Tee

Zu empfehlen
1. Lebe maßvoll und überlade Deinen Magen nicht.
2. Bevorzuge ausschließlich frische und liebevoll zubereitete Nahrung
3. Deine Nahrung sollte möglichst rein und einfach zubereitet sein: Im vollen Korn von Weizen, Reis, Gerste und Dinkel stecken reine Lebensenergie. Ebenso sind alle Gemüse, Früchte und Nüsse ein Geschenk der Natur. Von den Hülsenfrüchten sind die Mungbohnen die Königin und harmonisiert alle Sinne
4. Nehme Deine Nahrung weder heiß noch kalt und weder nass noch trocken ein
5. Beginne und beende jede Mahlzeit mit einem Gebet

Medhya Rasayanas

Anti-Stressmittel aus der Natur

Nie war es so wichtig, die eigene Immunkraft zu stärken, wie jetzt. Dabei steht nicht nur die körperliche Abwehrkraft im Fokus für die Gesundheit, sondern auch die psychische Belastungsfähigkeit ist gefordert, um diese schwere Zeit ohne nachhaltige Schäden zu überstehen. Denn die Einschränkungen des sozialen Lebens und Miteinanders mit homeoffice und social distancing fordert ihren Tribut: Laut neuester Studien leiden über ein Viertel der Bevölkerung unter depressiven Verstimmungen wie Angst- und Schlafstörungen, verminderte Konzentrations- und Antriebskraft, Einsamkeit und generellen Verlust an Lebensfreude. Weiterhin wird der Alltag vieler Menschen von den stress-erhöhenden Faktoren der aktuellen Situation bestimmt, die das private und berufliche Leben auf außergewöhnliche Weise belasten.

Wer nun seine psychische Gesundheit verbessern und Stress reduzieren möchte, der findet Hilfe bei der Ayurveda-Medizin. Diese verfügt über ein komplexes System mental balancierender Maßnahmen, welche auf der richtigen Ernährung (Sattva Ahara), Verhaltensweisen (Brahmacarya) und Kräuterrezepturen (Medhya Rasayana) basieren. Besonders effektiv ist der Einsatz von Medhya Rasayanas – also Gewürze und Kräuter zur mentalen Stärkung – zur ganzheitlichen Therapie psychischer Beschwerden unter außergewöhnlichen Stressbelastungen. Dies bestätigen auch aktuelle Erfahrungswerte aus Studien in Indien, die die Wirkungen von bekannten Medhya-Rasayana-Kräutern wie Guduchi, Ashwaganda, Amalaki und Brahmi in der Covid-19-Profylaxe und Therapie untersuchen. Die traditionelle Ayurveda-Medizin beschreibt die als Nahrungsergänzung leicht erhältlichen Medhya-Rasayanas als Kräuter, die sich durch eine nervenstärkende, konzentrations- und leistungssteigernde Wirkung auszeichnen. Im Rahmen einer ganzheitlichen Ayurveda-Therapie bei stressbedingten Beschwerden werden sie fester Bestandteil eines Behandlungsplans eingesetzt.

Amalaki, die Amla-Frucht (Phyllanthus emblica) ist der Allrounder gegen Stress. Die als „Mutter der Medizin“ bezeichnete Amla wird in der traditionellen Ayurveda-Heilkunde für ihre schützende, stärkende, regenerative und präventive Wirkung gegen alle stressbedingten Erkrankungen sehr geschätzt.

Ashwaganda, die Schlafbeere (Witania Somnifera) ist, wie sich aus dem deutschen Namen Schlafbeere bereits ableiten lässt, ein sehr gutes Akutmittel gegen Erschöpfung und Leistungsschwäche mit schlaffördernder Wirkung. Das Pulver aus der Wurzel der Pflanze gewonnen wird im Ayurveda für seine nervenberuhigende, kraft- und immunstärkend Wirkung sehr geschätzt. .

Brahmi, das Nabelkraut (Bacopa monnieri) gilt unter allen Medhya-Rasayanas als beste Pflanze für den Geist, um höhere mentale Fähigkeiten zu erwecken. Deshalb wurde das grüne Kraut auch nach Gott Brahma, dem Göttlichen benannt. Neben dieser spirituellen Bedeutung, die vor allem von Yogis und Priestern geschätzt wird, ist Brahmi eine sehr wirkungsvolle Rasayana-Pflanze, um das Gedächnis zu verbessern, die Nerven zu beruhigen und die Konzentration zu steigern.

Guduchi (Tinospora cordifolia) ist eine besonders ausgleichende Rasayana-Pflanze für alle Doshas. Die Kletterpflanze mit herzförmigen Blättern ist bekannt für ihre ausgleichende Wirkung auf das Verdauungssystem und die Psyche. Speziell für Menschen, die unter Druck mit Verhaltensauffälligkeiten oder Ticks reagieren, wird Guduchi als Nahrungsergänzung zur Selbstregulation empfohlen

Mandukarpani Centella asiatica) zeichnet sich durch eine angstlösende und beruhigende Wirkung aus. Die Heilpflanze wird als bewährtes Mittel bei psychosomatischen Stresserkrankungen und zur Burnout-Profylaxe eingesetzt.

Ayurveda-Detox-Tag

Die kleine Reinigungskur für zuhause

Auch außerhalb einer professionellen Panchakarma-Kur ist es aus ayurvedischer Sicht sinnvoll, den Körper in regelmäßigen Abständen von Ballast zu befreien. Deshalb haben wir ein kleines Ayurveda-Reinigungsprogramm für zu Hause zusammen gestellt.

Gönnen dir einen vitalisierenden Reinigungstag, um die Doshas ins Gleichgewicht zu bringen, das Agni zu optimieren, Ama abzubauen und die Psyche zu stärken. Dazu benötigen Sie nur drei Dinge:

  1. Einen Tag Zeit für viel Ruhe, Entspannung und etwas Bewegung an der frischen Luft.
  2. Abgekochtes Wasser Usnodaka und Reisbrühe Manda als reinigende Getränke über den ganzen Tag.
  3. Leicht verdauliche Mahlzeiten aus Khichari, einem leckeren Reis-Mung- Eintopf.

    Wenn du dir etwas Gutes tun willst und dir einen Detox-Tag gönnen magst, so solltest du an diesem Tag nicht arbeiten, denn nur in der Entspannung kann der Körper gut ausleiten und regenerieren. Kochee dir am Morgen 1,5 Liter abgekochtes Wasser Usnodaka und 1 Liter Reisbrühe Manda und trinke dies über den Tag verteilt. Für das Mittag- und Abendessen bereite jeweils einen frischen Khichari – Reis-Mungeintopf mit Gemüse – zu, den du in Ruhe und Achtsamkeit zu dir nimmst.

    Plane auch eine umfassende Morgenroutine mit Selbstmassage, Yoga und Meditation in den Tagesablauf ein. Damit schenkst du dir eine ganzheitliche Rundum-Erneuerung an Ihrem Detox-Tag.

Ayurvedische Detox-Rezepte

Usnodaka – abgekochtes Wasser
Erhitzen 2 Liter Wasser in einem Topf und köchel es auf 1,5 Liter ein. So wirkt es besonders reinigend und auskratzend. Das abgekochte Wasser in eine Thermoskanne füllen und über den Tag verteilt trinken.
Je nachdem, wann Sie trinken, beeinflussen Sie auch die Wirkung:
• Trinke viel heißes Wasser am Morgen, so reinigt es den Körper und regt die Ausscheidungen an.
• Trinke viel heißes Wasser am Abend vor dem Schlafengehen, so schwemmt es Toxine (Ama) aus und reduziert Fettgewebe.

Manda-Reisbrühe als Zwischenmahlzeit
Ayurveda empfiehlt eine Reisbrühe als besonders bekömmliche Reinigungsmethode mit Vata-Ausgleich:
Röste 2 EL (40g) Basmatireis 1-2 Minuten in einem Topf an und gib es dann 560 ml heißes Wasser dazu. Den Reis 15 Minuten weich köcheln, 1 MS Steinsalz zufügen und das Reiswasser absieben. In eine Thermoskanne füllen und am Vor- und Nachmittag als „Zwischenmahlzeit“ trinken.

Khichari
Reis-Linseneintopf als Hauptmahlzeit

Zutaten
2 EL Reis
2 EL Mungbohnen
1 TL Ghee
400 ml heißes Wasser
1 MS Hing
1 MS Kurkuma
¼ TL Kreuzkümmelsamen
½ TL frischen Ingwer, fein gerieben
1 Karotte
½ Zucchini
¼ TL Steinsalz
1 TL Zitronensaft
Koriandergrün

Zubereitung
• Ghee in einem Topf erhitzen.
• Hing und Kreuzkümmelsamen zufügen, umrühren, dann Reis und Mungobohnen zufügen und für 1-2 Minuten anrösten. Kurkuma und Ingwer unterrühren. 350 ml Wasser aufgießen und zum Kochen bringen.
• Karotte und Zucchini würfeln, dem Khichari zufügen und alles zusammen köcheln lassen bis das Wasser verkocht ist.
• Nun mit Steinsalz, Zitronensaft und etwas frischem Koriandergrün (falls vorhanden) abschmecken. Gerne kann auch noch etwas Kreuzkümmel und Ghee am Ende zugefügt werden.