Heißes Wasser im Ayurveda

Im Ayurveda, dem WHO-anerkannten traditionellen indischen Medizinsystem, wird das Trinken von heißem Wasser für die Gesundheit empfohlen.

Wenn wir die Empfehlung, heißes bzw. abgekochtes Wasser zu trinken, aus dem klassischen Ayurveda heraus zu verstehen suchen, dann ergibt sich natürlich in erster Linie der Aspekt der Hygiene, die für den Ayurveda insgesamt sehr bedeutsam ist. Das Abkochen von unkontrolliertem Trinkwasser ist seit jeher eine Methode, um die Gesundheit zu schützen. Dies ist in tropischen Ländern wie Indien besonders wichtig. So beschreibt Dr. Ram Manohar, Ayurveda-Arzt und Forschungsdirektor am Amrita Centre for Advanced Research in Ayurveda in Kollan (Kerala/Indien), wie bis heute in nahezu jedem Haushalt in Kerala das Trinkwasser aufgekocht und mit Kräutern angereichert wird.

Die meisten Ayurveda-Kenner beziehen sich bei ihren Wasser-Aussagen auf die Sushruta Samhita (sutra 43/39-40), welche die Qualitäten von heißem, bzw. gekochtem Wasser als „leicht“ und kapha/vata-reduzierend beschreibt. Im ayurvedischen Kontext werden die wahrnehmbaren Eigenschaften der Nahrungs- und Heilmittel genutzt, um die Wirkung auf den Organismus zu beschreiben. Leicht bedeutet in diesem Sinne soviel wie „leichter bekömmlich“. Die Eigenschaft „heiss“ wird benutzt, um Kälte auszugleichen. Dies kennen wir auch von unseren klassischen Hausmitteln, z.B. beim wärmenden Lindenblütentee bei Erkältungen.

Die Empfehlung, das Wasser für längere Zeit zu kochen, entstammt den klassischen Ayurveda-Texten. Ebenso sind die Anleitungen, das Wasser in unterschiedlicher Intensität zu kochen, in der traditionellen Ayurveda-Medizin allgemein bekannt und werden seit Jahrhunderten praktiziert. Prof. S.N. Gupta vom J.S. Ayurveda College, Nadiad zitiert Ashtangasamgraha sutra 6/9:  „The water after boiling may be reduced 1/4th, half or 1/3rd, it is light, useful in hiccup, abdominal distension, thirst, dyspnoea, cough, cold, chest pain, ama, fevers.“

Für diese klassische Empfehlung finden wir keine Erklärung in den alten Ayurveda-Schriften und auch in der modernen Forschung findet sich dazu kaum etwas. So auch Dr. Ram Manohar: „There is not much research in this line in modern medicine. Boiling water is considered to be beneficial in killing bacteria and other microbes.“

Traditionell wird das Herunterkochen im Ayurveda zur Herstellung von Heilmitteln genutzt. Wenn der Dekokt durch langes Kochen Flüssigkeit verliert, wird die Konzentration der Kräuter erhöht. Diese Methode ist pharmakologisch plausibel und wissenschaftlich nachvollziehbar und wird seit mehr als 2000 Jahren traditionell angewendet. Es ist denkbar, dass man auf der Basis dieser Erfahrungen auch das Herunterkochen von reinem Wasser empfohlen hat. Auf alle Fälle ist damit eine hygienisch einwandfreie Aufbereitung gewährleistet.

Eine  weitere Empfehlung der Ayurveda-Heilkunde für das heiße Wasser ist eine Trinkkur. Regelmäßig viel und ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, insbesondere in Form von reinem Wasser, ist ja eine Basisempfehlung, um das Gleichgewicht des Flüssigkeitshaushaltes zu gewährleisten. Bekanntermaßen sorgt Wasser für den Transport von Nährstoffen, unterstützt die Regulation der Körpertemperatur und natürlich die Ausscheidungsprozesse über die Nieren und den Darm. Wenn zu wenig Flüssigkeit aufgenommen wird, kann es zu einer Verlangsamung der Stoffwechselprozesse kommen. Dies sind nur einige der bedeutsamen Aspekte der Flüssigkeitszufuhr, die heute bekannt sind. Der traditionelle Ayurveda hat in seinen eigenen Worten diese Bedeutung des Wassers umschrieben.

Trinkkuren werden im Ayurveda auch im Kontext von Gewichtsreduktion eingesetzt. Prof. Tanuja Nesari vom All India Institute of Ayurveda (AIIA), dem neuen Spitzeninstitut für Ayurveda der Indischen Regierung in Delhi, berichtet von einer Studie zu einer Heißwasser-Trinkkur, die zur Zeit mit 30 adipösen Patienten an ihrem Institut durchgeführt wird.

Die verdauungsfördernde Wirkung können sicherlich auch viele „Heiß-Wasser-Trinker“ aus eigener Erfahrung bestätigen, wenn es nach dem obligatorischen Wassertrinken mit dem morgendlichen Toilettengang besser klappt. Aus meiner eigenen, jahrelangen Praxiserfahrung kann ich die ayurvedischen Beschreibungen der unterschiedlichen Eigenschaften und Qualitäten des Wassers nur bestätigen. Telit doch gerne eure Erfahrungen mit mir unter kerstin{at}rosenbergs.eu.

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