Warme Suppe statt kalte Platte

Warum uns in der kalten Jahreszeit warme Gericht nicht nur einheizen, sondern auch unseren Stoffwechsel entlasten und die Abwehrkräfte stärken.

Etwas Warmes braucht der Mensch

Je nach Jahreszeit verändern sich aus ayurvedischer Sicht mit den Temperaturen auch unsere Körpersäfte (Doshas). Fällt das Thermometer, steigt in der ersten Winterhälfte, Ende Oktober bis Ende Dezember, Vata (kalt und trocken) sprunghaft an. Jetzt heißt es warmhalten, damit das Immunsystem gestärkt wird, um Viren und Bazillen abzuwehren. Äußerlich empfiehlt sich der Zwiebellook: Mehrere Schichten mit einem dünnen Luftpolster dazwischen sorgen für eine wohlige Körpertemperatur.  

Wärme von innen durch ayurvedische Ernährung

Zusätzlich hilft die ayurvedische Ernährungslehre für Wärme von innen zu sorgen, indem das Verdauungsfeuer (agni) angefacht wird. Dass sich warme Mahlzeiten und heiße Getränke dafür besser eignen als etwa Wurst und Käse aus dem Kühlschrank und eine kalte Limonade, weiß jeder aus eigener Erfahrung. Um die Nahrung verwerten zu können, muss sie von unserem Körper aufgespalten und umgewandelt werden. Das Kochen erleichtert diesen Prozess. So nimmt das warme Essen dem Körper Arbeit ab, die er sonst selbst erledigen müsste. Es ist quasi ein Energiesparmodell: Die warme Nahrung liefert die Nährstoffe in leicht verwertbarer Form und kostet weniger Energie. Diese steht damit anderen wichtigen Aufgaben, wie Konzentration, Leistungsfähigkeit und Abwehr zur Verfügung. So können wir  Erkältungskrankheiten besser trotzen.  

„Der Körper ist das Haus unserer Seele“, sagt man im Ayurveda. Und so wie man am Morgen im Haus mit Heizung oder Kamin für Wärme sorgt, sollten wir uns auch selbst einheizen – am besten gleich beim Frühstück. Ein warmer Getreidebrei belastet deutlich weniger als ein klassisch westliches Frühstück mit Brot, Schinken, Käse und einem Ei. Dies ist im Grunde zu schwer und lähmt die Kraft des Agni. Am Morgen ist Agni, das Verdauungsfeuer, noch nicht sehr aktiv. Deshalb sollte ein Frühstück leicht verdaulich sein.

So wird das Frühstück leicht verdaulich

Der beste Start in den Tag ist ein Glas warmes Wasser, im Winter mit einem Stück frischem Ingwer, das zusätzlich wärmt, den Stoffwechsel und das Immunsystem auf Trab bringt. Gleichzeitig wird der Flüssigkeitsverlust der Nacht wieder ausgeglichen und der Magen auf die Nahrungsaufnahme vorbereitet. Im Anschluss folgt ein warmer Getreidebrei mit Getreideflocken nach Wahl, Wasser, Milch oder Milchalternativen wie Soja-, Mandel oder Reis-Milch und Gewürzen, ergänzt mit Samen, Kernen, Nüssen oder Trockenfrüchten. Obst sollte man am besten in gedünsteter Form beifügen, da es so leichter verdaulich ist. Milchprodukte und saure Früchte vertragen sich aus ayurvedischer Sicht nicht so gut. Der klassische ayurvedische Frühstücksbrei besteht aus einer Tasse (Getreide)Flocken, die in einem Topf mit etwas Ghee oder Kokosöl angebraten werden. Anschließend mit Wasser, Milch oder Milchalternativen ablöschen, einige Minuten köcheln lassen und mit Gewürzen, Nüssen und/oder Samen verfeinern. Gewürze wie  Vanille, Kurkuma, Ingwer, Fenchel, Kümmel, Koriander, Zimt und Kardamom verstärken den wärmenden Effekt. Dazu je nach Geschmack mit gedünsteten oder gebratenen Früchten der Saison garnieren.

A&O: Regelmäßigkeit und qualitativ hochwertige Nahrung

Generell empfiehlt die Ayurvedische Ernährungslehre regelmäßig zu essen, denn der Körper stellt sich auf Mahlzeiten, die zur selben Zeit gegessen werden, besser ein und kann sie auch besser verwerten. Am besten morgens ein nicht zu üppiges Frühstück, mittags die Hauptmahlzeit und abends noch einmal ein leichtes Gericht. Zwischenmahlzeiten sind aus ayurvedischer Sicht zu vermeiden, da sie den Biorhythmus belasten. Besonders wichtig ist es auf die gute Qualität der Nahrung zu achten und im Winter nicht zu wenig oder zu leicht zu essen. Sonst laufen wir Gefahr, unsere Kraftreserven durch den aktiven Stoffwechsel zu verbrennen. Um dies zu vermeiden, dürfen wir ruhig etwas schwere Nahrungsmittel zu uns nehmen. Suppen und Eintöpfe haben in westlichen Breiten gerade in der kalten Jahreszeit Tradition. Auch aus ayurvedischer Sicht sind sie eine gute Wahl, sowohl als Mittag- oder auch als Abendessen. Passierte Gemüsesuppen und Brühen entlasten den Organismus und liefern alle wichtigen Nährstoffen. Besonders empfehlenswert sind Karotten, Rote Beete und Kürbis. Sie versorgen uns mit Antioxidantien, Ballaststoffen und Mineralien und regen – verfeinert mit Ingwer, Kurkuma, Pfeffer, Senf oder Zimt – die Verdauung an.  Auch die gute alte Hühnersuppe bietet wertvolles Eiweiß und ist jetzt eine gute Ergänzung auf dem Speiseplan.

Spezielles für den Winter

Zu den bevorzugten Gemüsesorten gehören neben Karotten und Rote Beete, Auberginen, Kohlsorten sowie Hülsenfrüchte und Wurzelgemüse, in Maßen passen auch Kartoffeln und Reis. Auch wenn die heute in Indien praktizierteAyurvedische Küche eine vegetarische Kost vorsieht, empfiehlt Kerstin Rosenberg für Nichtvegetarier ab und zu Süßwasserfische und Hühnerfleisch. In der zweiten Winterhälfte (Januar-Februar) baut der Körper Kapha auf, um sich vor Kälte und  Auszehrung zu schützen. Dadurch wird auch das Immunsystem gestärkt. Unterstützung bekommt es von öligen Nahrungsmitteln, bevorzugt mit Sesamöl, Leinöl, Senföl.  Kaltes Essen und Getränke, trockene Speisen und Reduktionskuren sollten in dieser Periode gemieden werden. Besonders empfehlenswert sind stärkende Nahrungsmittel wie Milch, Ghee, Nüsse und Trockenfrüchte. Für die innere Wärme und Zirkulations- und Stoffwechselaktivität ist es ratsam viel warmes, abgekochtes Wasser zu trinken. Und noch ein gute Nachricht für alle Rotweinfreunde: ein oder zwei Gläser sind in dieser Jahresperiode erlaubt, bzw. ausdrücklich empfohlen. 

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